Entyvio 108 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze
Entyvio 108 mg Injektionslösung in einem Fertigpen
Entyvio 108 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze
Jede Fertigspritze enthält 108 mg Vedolizumab in 0,68 ml.
Entyvio 108 mg Injektionslösung in einem Fertigpen
Jeder Fertigpen enthält 108 mg Vedolizumab in 0,68 ml.
Vedolizumab ist ein humanisierter monoklonaler IgG1‑Antikörper, der durch rekombinante DNA‑Technik in Ovarialzellen des chinesischen Hamsters (CHO‑Zellen) produziert wird.
Sonstige Bestandteile mit bekannter Wirkung
Jede Entyvio 108 mg Fertigspritze oder jeder Fertigpen enthält 1,48 mg Polysorbat 80.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
Injektionslösung (Injektion).
Farblose bis gelbe Lösung mit einem pH-Wert von 6,5 ± 0,3 und einer Osmolalität von 315 - 430 mOsm/kg.
Colitis ulcerosa
Entyvio wird angewendet zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer aktiver Colitis ulcerosa, die entweder auf konventionelle Therapie oder einen der Tumornekrosefaktor‑alpha (TNFα)‑Antagonisten unzureichend angesprochen haben, nicht mehr darauf ansprechen oder eine Unverträglichkeit gegen eine entsprechende Behandlung aufweisen.
Morbus Crohn
Entyvio wird angewendet zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit mittelschwerem bis schwerem aktiven Morbus Crohn, die entweder auf konventionelle Therapie oder einen der Tumornekrosefaktor‑alpha (TNFα)‑Antagonisten unzureichend angesprochen haben, nicht mehr darauf ansprechen oder eine Unverträglichkeit gegen eine entsprechende Behandlung aufweisen.
Die Behandlung sollte von einem Facharzt eingeleitet und überwacht werden, der über Erfahrung in der Diagnose und Behandlung von Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn verfügt (siehe Abschnitt 4.4). Den Patienten sollte die Gebrauchsinformation ausgehändigt werden.
Dosierung
Colitis ulcerosa und Morbus Crohn
Die empfohlene Dosierung von subkutanem Vedolizumab als Erhaltungstherapie nach mindestens 2 intravenösen Infusionen beträgt 108 mg, verabreicht als subkutane Injektion einmal alle 2 Wochen. Die erste subkutane Dosis sollte anstelle der nächsten geplanten intravenösen Dosis und danach alle 2 Wochen verabreicht werden.
Intravenöse Dosierung, siehe Abschnitt 4.2 der Fachinformation für Entyvio 300 mg Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung.
Es liegen keine ausreichenden Daten vor, um zu bestimmen, ob Patienten, bei denen das Ansprechen während der Erhaltungstherapie mit subkutanem Vedolizumab abnimmt, von einer Erhöhung der Dosierungsfrequenz profitieren würden.
Es liegen keine Daten zur Umstellung von Patienten von subkutanem Vedolizumab auf intravenöses Vedolizumab während der Erhaltungstherapie vor.
Bei Patienten, die auf die Behandlung mit Vedolizumab angesprochen haben, können Corticosteroide nach der üblichen Vorgehensweise reduziert und/oder abgesetzt werden.
Erneute Behandlung und versäumte Dosis/Dosen
Wenn die Behandlung mit subkutanem Vedolizumab unterbrochen wurde oder wenn ein Patient eine/mehrere geplante Dosis/Dosen subkutanes Vedolizumab versäumt hat, sollte dem Patienten geraten werden, die nächste subkutane Dosis so bald wie möglich und danach alle 2 Wochen zu injizieren.
In klinischen Studien wurden die Behandlungspausen bis zu 46 Wochen ausgedehnt. Die Wirksamkeit wurde wiederhergestellt, ohne dass es bei der Wiederaufnahme der Behandlung mit subkutanem Vedolizumab zu einer erkennbaren Zunahme der Nebenwirkungen oder Reaktionen an der Injektionsstelle kam (siehe Abschnitt 4.8).
Besondere Patientengruppen
Ältere Patienten
Eine Dosisanpassung für ältere Patienten ist nicht erforderlich. Populationspharmakokinetische Analysen zeigten keinen Einfluss des Alters (siehe Abschnitt 5.2).
Patienten mit Nieren‑ oder Leberfunktionsstörungen
Vedolizumab wurde in dieser Patientengruppe nicht untersucht. Dosisempfehlungen können nicht gegeben werden.
Kinder und Jugendliche
Die Sicherheit und Wirksamkeit von Vedolizumab bei Kindern im Alter von 0 bis 17 Jahren ist nicht erwiesen. Es liegen keine Daten vor.
Art der Anwendung
Die Entyvio Injektionslösung (in einer Fertigspritze oder in einem Fertigpen) ist nur zur subkutanen Injektion bestimmt.
Nach einer entsprechenden Einweisung in die korrekte Technik der subkutanen Injektion kann ein Patient oder dessen Pflegeperson die subkutane Injektion mit Vedolizumab vornehmen, wenn der behandelnde Arzt dies für angemessen hält. Ausführliche Anwendungshinweise für die Verabreichung mit der Fertigspritze oder dem Fertigpen sind in der Packungsbeilage enthalten.
Weitere Hinweise zur Vorbereitung und besondere Vorsichtsmaßnahmen zur Handhabung, siehe Abschnitt 6.6.
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile.
Aktive schwere Infektionen wie Tuberkulose (TBC), Sepsis, Cytomegalievirus, Listeriose und opportunistische Infektionen, wie z. B. progressive multifokale Leukoenzephalopathie (PML) (siehe Abschnitt 4.4).
Rückverfolgbarkeit
Um die Rückverfolgbarkeit biologischer Arzneimittel zu verbessern, müssen die Bezeichnung des Arzneimittels und die Chargenbezeichnung des angewendeten Arzneimittels eindeutig dokumentiert werden.
Überempfindlichkeitsreaktionen
In klinischen Studien wurden Überempfindlichkeitsreaktionen berichtet, deren Schweregrad in den meisten Fällen mild bis mittelschwer war (siehe Abschnitt 4.8).
Wenn eine anaphylaktische Reaktion oder andere schwere Reaktion auftritt, muss die Verabreichung von Vedolizumab sofort beendet und eine geeignete Behandlung eingeleitet werden. (siehe Abschnitt 4.3).
Infektionen
Vedolizumab ist ein Integrin‑Antagonist mit selektiver Wirkung im Gastrointestinaltrakt, bei dem keine systemische immunsuppressive Aktivität nachgewiesen wurde (siehe Abschnitt 5.1).
Die Ärzte sollten das möglicherweise erhöhte Risiko für opportunistische Infektionen oder Infektionen, gegen die der Darm als schützende Barriere dient, kennen (siehe Abschnitt 4.8). Bei Patienten mit aktiven, schweren Infektionen darf die Behandlung nicht eingeleitet werden, bis die Infektionen unter Kontrolle sind, und die Ärzte sollten in Betracht ziehen, die Behandlung bei solchen Patienten abzusetzen, bei denen sich während der Langzeitbehandlung mit Vedolizumab eine schwere Infektion entwickelt. Vorsicht ist geboten, wenn die Anwendung von Vedolizumab bei Patienten mit einer kontrollierten chronischen schweren Infektion oder einer Vorgeschichte von wiederkehrenden schweren Infektionen in Betracht gezogen wird. Die Patienten sollten vor, während und nach der Behandlung engmaschig auf Infektionen überwacht werden.
Vedolizumab ist bei Patienten mit aktiver Tuberkulose kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.3). Vor Beginn der Behandlung mit Vedolizumab müssen die Patienten nach den lokalen Richtlinien auf Tuberkulose untersucht werden. Wird eine latente Tuberkulose diagnostiziert, muss eine geeignete Behandlung mit Tuberkulostatika unter Einhaltung der lokalen Richtlinien eingeleitet werden, bevor eine Behandlung mit Vedolizumab begonnen wird. Bei Patienten, bei denen unter einer Vedolizumab‑Therapie eine Tuberkulose diagnostiziert wird, muss die Vedolizumab‑Therapie unterbrochen werden, bis die Tuberkulose‑Infektion abgeklungen ist.
Unter Therapie mit einigen Integrin‑Antagonisten und einigen systemischen Immunsuppressiva wurde eine progressive multifokale Leukoenzephalopathie (PML) beobachtet, eine seltene und oft tödlich verlaufende opportunistische Infektion, die durch das John Cunningham (JC)‑Virus verursacht wird. Durch die Bindung an das α4β7‑Integrin auf Lymphozyten, die in die Darmwand eindringen, übt Vedolizumab eine immunsuppressive Wirkung spezifisch auf den Darm aus. Bei gesunden Probanden wurden zwar keine systemischen immunsuppressiven Wirkungen nachgewiesen, bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sind die systemischen Auswirkungen auf das Immunsystem jedoch nicht bekannt.
Das medizinische Fachpersonal sollte Patienten unter Vedolizumab auf jedes neue Auftreten bzw. jede Verschlechterung von neurologischen Symptomen überwachen und bei deren Auftreten eine Überweisung an einen Neurologen in Betracht ziehen. Wenn eine PML vermutet wird, muss die Behandlung mit Vedolizumab unterbrochen werden, und wenn sich die Diagnose bestätigt, muss die Behandlung dauerhaft abgesetzt werden.
Malignität
Bei Patienten mit Colitis ulcerosa und Morbus Crohn besteht ein erhöhtes Malignitätsrisiko. Immunmodulatorische Arzneimittel können das Malignitätsrisiko erhöhen.
Vorangegangene und gleichzeitige Behandlung mit Biologika
Für Vedolizumab sind für Patienten, die zuvor mit Natalizumab oder Rituximab behandelt wurden, keine Daten aus klinischen Studien vorhanden. Falls die Anwendung von Vedolizumab in dieser Patientengruppe in Betracht gezogen wird, sind entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.
Patienten, die zuvor Natalizumab erhielten, sollten, wenn es der klinische Zustand des Patienten zulässt, in der Regel mindestens 12 Wochen warten, bevor eine Therapie mit Vedolizumab eingeleitet wird.
Über die gleichzeitige Anwendung von biologischen Immunsuppressiva mit Vedolizumab stehen keine Daten aus klinischen Studien zur Verfügung. Daher wird die Verwendung von Vedolizumab bei diesen Patienten nicht empfohlen.
Lebendimpfstoffe und orale Impfstoffe
In einer Placebo‑kontrollierten Studie an gesunden Probanden reduzierte eine Einzeldosis von 750 mg Vedolizumab bei Personen, die intramuskulär mit 3 Dosen eines rekombinanten Hepatitis‑B‑Oberflächen‑Antigens geimpft wurden, nicht die schützende Immunität gegen Hepatitis‑B‑Viren. Bei mit Vedolizumab behandelten Patienten wurden nach Einnahme eines oralen Impfstoffes mit inaktivierten Cholera‑Bakterien niedrigere Serokonversionsraten beobachtet. Die Auswirkungen auf andere orale oder nasale Impfstoffe sind unbekannt. Es wird empfohlen, allen Patienten vor Beginn der Therapie mit Vedolizumab alle Impfungen nach den aktuellen Impfempfehlungen zu verabreichen. Patienten, die mit Vedolizumab behandelt werden, können weiterhin Impfungen mit inaktivierten oder abgetöteten Impfstoffen erhalten. Es gibt keine Daten über Sekundärübertragungen von Infektionen durch Lebendimpfstoffe bei Patienten, die Vedolizumab erhalten. Die Verabreichung von Grippe‑Impfstoff sollte per Injektion nach der üblichen klinischen Praxis erfolgen. Andere Lebendvakzine sollten unter der Behandlung mit Vedolizumab nur angewendet werden, wenn der Nutzen eindeutig die Risiken überwiegt.
Die Induktion einer Remission bei Morbus Crohn
Die Induktion der Remission bei Morbus Crohn kann bei einigen Patienten bis zu 14 Wochen dauern. Die Gründe hierfür sind nicht vollständig bekannt, und hängen möglicherweise mit dem Wirkmechanismus zusammen. Dies sollte berücksichtigt werden, insbesondere bei Patienten mit schwerer aktiver Erkrankung, die zuvor nicht mit TNFα‑Antagonisten behandelt wurden (siehe auch Abschnitt 5.1).
Die explorativen Subgruppen‑Analysen der klinischen Studien weisen für Morbus Crohn darauf hin, dass Vedolizumab bei Patienten ohne gleichzeitige Behandlung mit Corticosteroiden weniger wirksam zur Induktion einer Remission bei Morbus Crohn sein könnte, als bei den Patienten, die gleichzeitig Corticosteroide einnehmen (unabhängig von gleichzeitig verabreichten Immunmodulatoren, siehe Abschnitt 5.1).
Natriumgehalt
Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Dosis, d. h. es ist nahezu „natriumfrei“.
Gehalt an Polysorbat 80
Dieses Arzneimittel enthält 1,48 mg Polysorbat 80 in jeder Entyvio 108 mg Fertigspritze oder jedem Fertigpen.
Es wurden keine Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen durchgeführt.
Vedolizumab wurde bei erwachsenen Patienten mit Colitis ulcerosa und Morbus Crohn unter gleichzeitiger Behandlung mit Corticosteroiden, Immunmodulatoren (Azathioprin, 6‑Mercaptopurin und Methotrexat) und Aminosalizylaten untersucht. Populationspharmakokinetische Analysen deuten darauf hin, dass die gleichzeitige Verabreichung solcher Mittel keine klinisch relevante Wirkung auf die Pharmakokinetik von Vedolizumab hatte. Die Wirkung von Vedolizumab auf die Pharmakokinetik von häufig gleichzeitig verabreichten Arzneimitteln wurde nicht untersucht.
Impfungen
Lebendimpfstoffe und insbesondere oral verabreichte Lebendimpfstoffe sollten während einer Behandlung mit Vedolizumab nur mit Vorsicht eingesetzt werden (siehe Abschnitt 4.4).
Frauen im gebärfähigen Alter
Gebärfähige Frauen sollten zur Vermeidung einer Schwangerschaft geeignete Empfängnisverhütungsmethoden anwenden und diese mindestens 18 Wochen nach der letzten Gabe fortführen.
Schwangerschaft
Bisher liegen nur sehr begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Vedolizumab bei Schwangeren vor.
In einer kleinen prospektiven Beobachtungsstudie an 99 Frauen mit Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn, die mit Vedolizumab behandelt wurden, betrug die Rate schwerer Geburtsfehler 7,4 % und 5,6 % bei 76 Frauen mit Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn, die mit anderen Biologika behandelt wurden (bereinigtes relatives Risiko (RR) 1,07, 95 % Konfidenzintervall (KI): 0,33, 3,52).
Tierexperimentelle Studien ergaben keine Hinweise auf direkte oder indirekte gesundheitsschädliche Wirkungen in Bezug auf eine Reproduktionstoxizität (siehe Abschnitt 5.3).
Als Vorsichtsmaßnahme soll möglichst eine Anwendung von Vedolizumab während der Schwangerschaft vermieden werden, es sei denn, der Nutzen überwiegt deutlich das potenzielle Risiko für die Mutter und den Fötus.
Stillzeit
Vedolizumab wurde in der Muttermilch nachgewiesen. Die Wirkung von Vedolizumab auf gestillte Säuglinge sowie die Auswirkungen auf die Milchproduktion sind nicht bekannt. In einer reinen Laktationsstudie, in der die Konzentration von Vedolizumab in der Muttermilch von stillenden Frauen mit aktiver Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn, die Vedolizumab erhielten, untersucht wurde, betrug die Konzentration von Vedolizumab in der Muttermilch etwa 0,4 % bis 2,2 % der mütterlichen Serumkonzentration aus früheren Studien mit Vedolizumab. Die geschätzte durchschnittliche Tagesdosis von Vedolizumab, die der Säugling aufnahm, betrug 0,02 mg/kg/Tag, was etwa 21 % der körpergewichtsbereinigten durchschnittlichen Tagesdosis der Mutter entspricht.
Beim Einsatz von Vedolizumab sind sowohl der Nutzen der Therapie für die stillende Mutter als auch das potenzielle Risiko für das Kind zu berücksichtigen.
Fertilität
Es liegen keine Daten zu Wirkungen von Vedolizumab auf die menschliche Fertilität vor. In tierexperimentellen Studien wurden die Auswirkungen auf die männliche und weibliche Fertilität nicht formell untersucht (siehe Abschnitt 5.3).
Vedolizumab hat einen geringen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen, da bei einer kleinen Anzahl der Patienten Schwindelgefühl berichtet wurde.
Zusammenfassung des Sicherheitsprofils
Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen sind Infektionen (wie Nasopharyngitis, Infektion der oberen Atemwege, Bronchitis, Influenza und Sinusitis), Kopfschmerzen, Übelkeit, Fieber, Ermüdung/Fatigue, Husten, Arthralgie.
Bei Patienten, die subkutan Vedolizumab erhielten, wurden keine klinisch relevanten Unterschiede hinsichtlich des allgemeinen Sicherheitsprofils und der Nebenwirkungen im Vergleich zu dem Sicherheitsprofil beobachtet, das in klinischen Studien mit intravenösem Vedolizumab beobachtet wurde. Eine Ausnahme hiervon sind Reaktionen an der Injektionsstelle (bei subkutaner Verabreichung).
Tabellarische Auflistung der Nebenwirkungen
Die folgende Auflistung der Nebenwirkungen basiert auf Erfahrungen aus den klinischen Studien und bisherigen Erfahrungen nach der Markteinführung und wird nach Organsystemen aufgelistet. Innerhalb der Systemorganklassen sind die Nebenwirkungen nach ihrer Häufigkeit in folgende Kategorien eingeteilt: sehr häufig (≥ 1/10), häufig (≥ 1/100, < 1/10), gelegentlich (≥ 1/1 000, < 1/100), sehr selten (< 1/10 000) und nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar). Innerhalb jeder Häufigkeitsgruppe werden die Nebenwirkungen nach abnehmendem Schweregrad angegeben.
Tabelle 1. Nebenwirkungen | ||
Systemorganklasse |
Häufigkeit |
Nebenwirkungen |
Infektionen und parasitäre Erkrankungen |
Sehr häufig |
Nasopharyngitis |
Häufig |
Pneumonie, |
|
Gelegentlich |
Atemwegsinfektion, |
|
Erkrankungen des Immunsystems |
Sehr selten |
anaphylaktische Reaktion, |
Erkrankungen des Nervensystems |
Sehr häufig |
Kopfschmerzen |
Häufig |
Parästhesie |
|
Augenerkrankungen |
Gelegentlich |
verschwommenes Sehen |
Gefäßerkrankungen |
Häufig |
Hypertonie |
Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums |
Häufig |
Schmerzen im Oropharynx, |
Nicht bekannt |
interstitielle Lungenerkrankung |
|
Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts |
Häufig |
Analabszess, |
Leber- und Gallenerkrankungen |
Häufig |
erhöhte Leberenzyme |
Sehr selten |
Hepatitis |
|
Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes |
Häufig |
Ausschlag, |
Gelegentlich |
Follikulitis |
|
Skelettmuskulatur‑, Bindegewebs‑ und Knochenerkrankungen |
Sehr häufig |
Arthralgie |
Häufig |
Muskelspasmen, |
|
Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort |
Häufig |
Fieber, |
Gelegentlich |
Schüttelfrost, |
|
Beschreibung ausgewählter Nebenwirkungen
Reaktionen an der Injektionsstelle
Reaktionen an der Injektionsstelle (einschließlich Schmerzen, Ödemen, Erythemen oder Pruritus) wurden bei 5,1 % der Patienten berichtet, die subkutanes Vedolizumab erhielten (gepoolte Sicherheitsanalyse). Keine davon führte zum Abbruch der Studienbehandlung oder zu Änderungen des Dosierungsschemas. Die meisten Reaktionen an der Injektionsstelle klangen innerhalb von 1‑4 Tagen vollständig ab. Es gab keine Berichte über Anaphylaxie nach subkutaner Verabreichung von Vedolizumab.
Infektionen
In den kontrollierten Studien GEMINI 1 und 2 mit intravenösem Vedolizumab betrug die Infektionshäufigkeit 0,85 pro Patientenjahr bei den mit Vedolizumab behandelten Patienten und 0,70 pro Patientenjahr bei den mit Placebo behandelten Patienten. Die Infektionen umfassten in erster Linie Nasopharyngitis, Infektion der oberen Atemwege, Sinusitis und Harnwegsinfektionen. Die meisten Patienten setzten die Behandlung mit Vedolizumab nach Abklingen der Infektion fort.
In den kontrollierten Studien GEMINI 1 und 2 mit intravenösem Vedolizumab betrug die Häufigkeit von schwerwiegenden Infektionen 0,07 pro Patientenjahr bei den mit Vedolizumab behandelten Patienten und 0,06 pro Patientenjahr bei den mit Placebo behandelten Patienten. Im zeitlichen Verlauf gab es keine signifikante Zunahme der Anzahl von schwerwiegenden Infektionen.
In kontrollierten Studien und der offenen Erweiterungsstudie mit intravenösem Vedolizumab bei Erwachsenen wurden schwerwiegende Infektionen wie Tuberkulose, Sepsis (einige mit tödlichem Ausgang), Salmonellen‑Sepsis, Listerien‑Meningitis und Cytomegalievirus‑Colitis berichtet.
In klinischen Studien mit subkutanem Vedolizumab lag die Infektionsrate bei den mit Vedolizumab behandelten Patienten bei 0,26 pro Patientenjahr. Die häufigsten Infektionen waren Nasopharyngitis, Infektion der oberen Atemwege, Bronchitis und Grippe.
In klinischen Studien mit subkutanem Vedolizumab lag die Rate schwerer Infektionen bei den mit subkutanem Vedolizumab behandelten Patienten bei 0,02 pro Patientenjahr.
In klinischen Studien mit intravenösem und subkutanem Vedolizumab war die Infektionsrate bei mit Vedolizumab behandelten Patienten mit einem BMI von ≥ 30 kg/m² höher als bei Patienten mit einem BMI von < 30 kg/m².
In klinischen Studien mit intravenösem und subkutanem Vedolizumab wurde bei mit Vedolizumab behandelten Patienten, die vorher eine TNFα‑Antagonisten‑Therapie erhalten hatten, eine etwas höhere Inzidenz schwerer Infektionen gemeldet als bei Patienten, die zuvor keine TNFα‑Antagonisten‑Therapie erhalten hatten.
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen‑Risiko‑Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung über das
Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel
Paul-Ehrlich-Institut
Paul-Ehrlich-Str. 51 - 59
63225 Langen
Tel.: + 49 6103 77 0
Fax: + 49 6103 77 1234
Website: www.pei.de
anzuzeigen.
In klinischen Studien wurden Dosierungen bis zu 10 mg/kg (etwa das 2,5‑Fache der empfohlenen Dosis) intravenös verabreicht. Während der klinischen Studien wurde keine dosislimitierende Toxizität beobachtet.
Pharmakotherapeutische Gruppe: Immunsuppressiva, monoklonale Antikörper, ATC‑Code: L04AG05.
Wirkmechanismus
Vedolizumab ist ein immunsuppressives Biologikum, das selektiv im Gastrointestinaltrakt wirkt. Es ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der spezifisch an das α4β7‑Integrin bindet, welches bevorzugt auf in die Darmwand eindringenden T‑Helfer‑Lymphozyten exprimiert wird. Durch die Bindung an α4β7 auf bestimmten Lymphozyten hemmt Vedolizumab die Adhäsion dieser Zellen an das mukosale Adressin-Zelladhäsionsmolekül-1 (MAdCAM‑1), aber nicht an das vaskuläre Zelladhäsionsmolekül‑1 (VCAM‑1). MAdCAM‑1 wird hauptsächlich von den Darm‑Endothelzellen exprimiert und spielt eine entscheidende Rolle bei der Einwanderung von T‑Lymphozyten in Gewebe im Magen‑Darm‑Trakt. Vedolizumab bindet nicht an α4β1‑ und αEβ7‑Integrine und hemmt nicht deren Funktion.
Das α4β7‑Integrin wird auf einer speziellen Untergruppe der Gedächtnis‑T‑Lymphozyten exprimiert, die vorzugsweise in den Magen‑Darm‑Trakt (GI) migrieren und eine Entzündung verursachen, die charakteristisch für Colitis ulcerosa und Morbus Crohn ist, die beide zu den chronisch‑entzündlichen immunologisch‑bedingten Erkrankungen des Magen‑Darm‑Traktes gehören. Vedolizumab reduziert die Entzündungen im Magen‑Darm‑Trakt bei Patienten mit Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Die Hemmung der Interaktion von α4β7 mit MAdCAM‑1 durch Vedolizumab verhindert bei nicht‑humanen Primaten die Migration von in den Darm einwandernden Gedächtnis-T‑Helfer-Lymphozyten durch das vaskuläre Endothel in das Parenchymgewebe und induzierte eine reversible 3‑fache Zunahme der Anzahl dieser Zellen im peripheren Blut. Der murine Vorläufer von Vedolizumab linderte die Entzündung des Magen‑Darm‑Traktes bei Lisztaffen mit Colitis, die als Modell für Colitis ulcerosa verwendet werden.
Bei gesunden Probanden, Patienten mit Colitis ulcerosa oder Patienten mit Morbus Crohn, nehmen unter Vedolizumab die Neutrophilen, Basophilen, Eosinophilen, B‑Helfer‑ und zytotoxischen T‑Lymphozyten, Gesamt‑Gedächtnis‑T‑Lymphozyten, Monozyten oder natürliche Killerzellen nicht zu, und im peripheren Blut lässt sich keine Leukozytose beobachten.
Vedolizumab beeinflusste die Immunabwehr und Entzündung des zentralen Nervensystems in einem Modell für Multiple Sklerose, der Experimentellen Autoimmun‑Enzephalomyelitis in nicht‑humanen Primaten nicht. Vedolizumab hatte bei Antigenprovokation in der Lederhaut und in Muskeln keinen Einfluss auf die Immunantwort (siehe Abschnitt 4.4). Im Gegensatz dazu hemmte Vedolizumab bei gesunden Probanden die Immunantwort auf eine Antigenprovokation im Magen‑Darm‑Trakt (siehe Abschnitt 4.4).
Immunogenität
Während der Behandlung mit Vedolizumab können sich Antikörper gegen Vedolizumab bilden, die meisten davon sind neutralisierende Antikörper. Die Bildung von Anti‑Vedolizumab‑Antikörpern geht mit einer erhöhten Clearance von Vedolizumab und geringeren klinischen Remissionsraten einher.
Pharmakodynamische Wirkungen
In klinischen Studien mit intravenösem Vedolizumab in Dosierungen zwischen 0,2 und 10 mg/kg wurde > 95 % Sättigung der α4β7‑Rezeptoren auf Untergruppen der an der Immunabwehr im Darm beteiligten zirkulierenden Lymphozyten bei Patienten beobachtet.
Vedolizumab beeinflusste die Einwanderung von CD4+‑ und CD8+‑Lymphozyten in das ZNS nicht: Bei gesunden Probanden wurde im Liquor keine Veränderung des CD4+/CD8+‑Verhältnisses vor und nach der Verabreichung von Vedolizumab beobachtet. Diese Daten sind übereinstimmend mit Untersuchungen an nicht‑humanen Primaten, bei denen keine Auswirkungen auf die Immunabwehr des ZNS zu erkennen war.
Klinische Wirksamkeit und Sicherheit
Colitis ulcerosa – Vedolizumab zur intravenösen Verabreichung
Die Wirksamkeit und Sicherheit von intravenösem Vedolizumab bei der Behandlung von erwachsenen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer aktiver Colitis ulcerosa (Mayo‑Score 6 bis 12 mit endoskopischem Subscore ≥ 2) wurde in einer randomisierten, doppelblinden, Placebo‑kontrollierten Studie nachgewiesen, die die Wirksamkeits‑Endpunkte in Woche 6 und Woche 52 (GEMINI 1) untersuchte. Bei den an der Studie teilnehmenden Patienten hatte mindestens eine konventionelle Therapie, einschließlich Corticosteroiden, Immunmodulatoren und/oder des TNFα‑Antagonisten Infliximab (einschließlich primären Non‑Respondern) versagt. Als Begleitmedikation waren stabile Dosen oraler Aminosalizylate, Corticosteroide und/oder immunmodulatorischer Arzneimittel erlaubt.
Für die Auswertung der Woche‑6‑Endpunkte wurden 374 Patienten doppelblind randomisiert (3:2) und erhielten in Woche 0 und Woche 2 Vedolizumab 300 mg oder Placebo. Der primäre Endpunkt war der Anteil der Patienten mit klinischem Ansprechen (definiert als Reduktion des Mayo‑Gesamt‑Scores um ≥ 3 Punkte und ≥ 30 % vom Ausgangswert mit einer gleichzeitigen Verringerung des rektalen Blutungs‑Subscores von ≥ 1 Punkt oder rektaler Blutungs‑Gesamt-Score von ≤ 1 Punkt) in Woche 6. Tabelle 2 zeigt die Ergebnisse der untersuchten primären und sekundären Endpunkte.
Tabelle 2. Wirksamkeitsergebnisse der Studie GEMINI 1 für Woche 6 | ||
Endpunkt |
Placebo |
Vedolizumab |
Klinisches Ansprechen |
26 % |
47 %* |
Klinische Remission§ |
5 % |
17 %† |
Abheilung der Schleimhaut¶ |
25 % |
41 %‡ |
*p < 0,0001 | ||
Der positive Effekt von Vedolizumab auf klinisches Ansprechen, Remission und Abheilung der Schleimhaut wurde sowohl bei Patienten beobachtet, die vorher nicht mit TNFα‑Antagonisten behandelt wurden, als auch bei denen, bei denen eine vorausgegangene Behandlung mit einem TNFα‑Antagonisten fehlgeschlagen war.
In der Studie GEMINI 1 erhielten 2 Kohorten der Patienten Vedolizumab in Woche 0 und Woche 2: Patienten in Kohorte 1 wurden randomisiert und erhielten doppelblind entweder Vedolizumab 300 mg oder Placebo, die Patienten in Kohorte 2 erhielten eine Open‑Label‑Behandlung mit Vedolizumab 300 mg. Um die Wirksamkeit in Woche 52 zu bewerten, wurden 373 Patienten aus Kohorte 1 und 2, die mit Vedolizumab behandelt wurden, und in Woche 6 ein klinisches Ansprechen erreicht hatten, randomisiert (1:1:1) und erhielten doppelblind ab Woche 6 eine der folgenden Behandlungen: Vedolizumab 300 mg alle 8 Wochen, Vedolizumab 300 mg alle 4 Wochen oder Placebo alle 4 Wochen. Beginnend in Woche 6 mussten alle Patienten, die ein klinisches Ansprechen erreicht hatten und Corticosteroide erhielten, ein Corticosteroid‑Ausschleichschema beginnen. Der primäre Endpunkt war der Anteil der Patienten in klinischer Remission in Woche 52. Tabelle 3 zeigt die Ergebnisse der untersuchten primären und sekundären Endpunkte.
Tabelle 3. Wirksamkeitsergebnisse der Studie GEMINI 1 für Woche 52 | |||
Endpunkt |
Placebo |
Vedolizumab i.v. |
Vedolizumab i.v. |
Klinische Remission |
16 % |
42 %† |
45 %† |
Anhaltendes klinisches Ansprechen¶ |
24 % |
57 %† |
52 %† |
Abheilung der Schleimhaut |
20 % |
52 %† |
56 %† |
Anhaltende klinische Remission# |
9 % |
20 %§ |
24 %‡ |
Corticosteroid‑freie klinische Remission♠ |
14 % |
31 %§ |
45 %† |
*Die Placebo‑Gruppe umfasst jene Teilnehmer, die in Woche 0 und Woche 2 Vedolizumab erhielten und von Woche 6 bis Woche 52 in die Gruppe randomisiert wurden, die Placebo erhielt. | |||
Exploratorische Analysen liefern zusätzliche Daten über wichtige untersuchte Teilpopulationen. Bei etwa einem Drittel der Patienten hatte zuvor eine Behandlung mit TNFα‑Antagonisten fehlgeschlagen. Von diesen Patienten erzielten 37 %, die Vedolizumab alle 8 Wochen erhielten, 35 %, die Vedolizumab alle 4 Wochen erhielten, und 5 %, die Placebo erhielten, in Woche 52 eine klinische Remission. Verbesserungen bei anhaltendem klinischen Ansprechen (47 %, 43 %, 16 %), Abheilung der Schleimhaut (42 %, 48 %, 8 %), anhaltender klinischer Remission (21 %, 13 %, 3 %) und Corticosteroid‑freier klinischer Remission (23 %, 32 %, 4 %) wurden in der Gruppe festgestellt, bei der eine vorausgegangene Behandlung mit TNFα‑Antagonisten fehlgeschlagen war und die mit Vedolizumab alle 8 Wochen, Vedolizumab alle 4 Wochen bzw. Placebo behandelt wurden.
Patienten, bei denen in Woche 6 kein Ansprechen nachweisbar war, blieben in der Studie und erhielten Vedolizumab alle 4 Wochen. Bei Verwendung von Mayo‑Subscores wurde ein klinisches Ansprechen in Woche 10 und Woche 14 bei einem höheren Prozentsatz von Vedolizumab‑Patienten erreicht (32 % bzw. 39 %), im Vergleich zu Placebo‑Patienten (15 % bzw. 21 %).
Die gesundheitsbezogene Lebensqualität (Health Related Quality Of Life, HRQOL) wurde mit dem Inflammatory Bowel Disease Questionnaire (IBDQ), einem krankheitsspezifischen Instrument, und SF‑36 und EQ‑5D beurteilt, bei denen es sich um allgemeine Messinstrumente handelt. Die exploratorischen Analysen zeigen klinisch relevante Verbesserungen in den Vedolizumab‑Gruppen. Die Verbesserungen waren im Vergleich zu der Placebo‑Gruppe in Woche 6 und Woche 52 für EQ‑5D und EQ‑5D‑VAS‑Werte, alle IBDQ‑Subskalen (Darmsymptome, Körperfunktion, emotionale Funktion und soziale Funktion) und alle Subskalen des SF‑36 einschließlich der Physical Component Summary (PCS) und Mental Component Summary (MCS) signifikant größer.
Studienerweiterung
Patienten, die alle 8 Wochen behandelt wurden und die nicht mehr auf Vedolizumab ansprachen, konnten in eine offene Erweiterungsstudie wechseln und erhielten alle 4 Wochen Vedolizumab. Bei diesen Patienten wurde eine klinische Remission bei 25 % der Patienten in Woche 28 und in Woche 52 erreicht.
Patienten, die nach der Behandlung mit Vedolizumab ein klinisches Ansprechen in Woche 0 und 2 erreichten und dann in die Placebo‑Gruppe randomisiert (Woche 6 bis Woche 52) wurden, und die nicht mehr auf Vedolizumab ansprachen, konnten in eine offene Erweiterungsstudie wechseln und erhielten alle 4 Wochen Vedolizumab. Bei diesen Patienten wurde eine klinische Remission bei 45 % der Patienten bis Woche 28 und bei 36 % der Patienten bis Woche 52 erreicht.
In dieser offenen Erweiterungsstudie wurde der Nutzen der Vedolizumab‑Behandlung, der mit Mayo‑Subscores, Erreichen einer klinischen Remission, und dem klinischen Ansprechen beurteilt wurde, für bis zu 196 Wochen nachgewiesen.
Colitis ulcerosa –Vedolizumab zur subkutanen Verabreichung
Die Wirksamkeit und Sicherheit von subkutanem Vedolizumab bei der Behandlung von erwachsenen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer aktiver Colitis ulcerosa (Mayo‑Score 6 bis 12 mit endoskopischem Subscore ≥ 2) wurde in einer randomisierten doppelblinden Placebo‑kontrollierten Studie nachgewiesen, in der die Wirksamkeits‑Endpunkte in Woche 52 untersucht wurden (VISIBLE 1). Bei den an der Studie VISIBLE 1 teilnehmenden Patienten (n = 383) hatte mindestens eine konventionelle Therapie, einschließlich Corticosteroiden, Immunmodulatoren und/oder TNFα‑Antagonisten (einschließlich primärer Non‑Responder), versagt. Stabile orale Dosen von Aminosalicylaten, Corticosteroiden und/oder Immunmodulatoren waren als Begleitmedikation erlaubt.
Patienten, die in Woche 6 ein klinisches Ansprechen auf eine Open‑Label‑Behandlung mit intravenösem Vedolizumab erreichten, konnten randomisiert werden. Für die Auswertung der Woche‑52-Endpunkte wurden 216 (56,4 %) Patienten doppelblind randomisiert (2:1:1) und nach einem der folgenden Schemata behandelt: subkutanes Vedolizumab 108 mg alle 2 Wochen, intravenöses Vedolizumab 300 mg alle 8 Wochen oder Placebo.
Die demographischen Ausgangsdaten waren bei den Patienten in den Vedolizumabgruppen und der Placebogruppe ähnlich. Der Mayo‑Score bei Baseline lag zwischen 9 und 12 (schwere Colitis ulcerosa) bei etwa 62 % und zwischen 6 und 8 (mittelschwere Colitis ulcerosa) bei etwa 38 % der gesamten Studienpopulation.
Der primäre Endpunkt der Studie, die klinische Remission, war definiert als ein Mayo‑Gesamt‑Score von ≤ 2 Punkten mit keinem individuellen Subscore > 1 Punkt in Woche 52 bei Patienten, die in Woche 6 der intravenösen Induktionstherapie mit Vedolizumab ein klinisches Ansprechen erreicht hatten. Das klinische Ansprechen war definiert als eine Reduktion des Mayo‑Gesamt‑Scores um ≥ 3 Punkte und ≥ 30 % im Vergleich zum Ausgangswert mit einer gleichzeitigen Verringerung des Subscores für Rektalblutung um ≥ 1 Punkt oder ein absoluter Subscore für Rektalblutung ≤ 2 Punkte und kein individueller Subscore > 1 Punkt.
Tabelle 4 zeigt die ausgewerteten Ergebnisse der primären und sekundären Endpunkte.
Tabelle 4. Wirksamkeitsergebnisse der Studie VISIBLE 1 für Woche 52
Endpunkta |
Placebob |
Vedolizumab s.c. 108 mg |
Vedolizumab i.v. |
Schätzungc des Behandlungsunterschieds |
p‑Wertc |
Klinische Remissiond |
14,3 % |
46,2 % |
42,6 % |
32,3 (19,7; 45,0) |
p < 0,001 |
Abheilung der Schleimhaute |
21,4 % |
56,6 % |
53,7 % |
35,7 (22,1; 49,3) |
p < 0,001 |
Anhaltendes klinisches Ansprechenf |
28,6 % |
64,2 % |
72,2 % |
36,1 (21,2; 50,9) |
p < 0,001 |
Anhaltende klinische Remissiong |
5,4 % |
15,1 % |
16,7 % |
9,7 (‑6,6; 25,7) |
p = 0,076 |
Corticosteroid-freie Remissionh |
8,3 % |
28,9 % |
28,6 % |
20,6 (‑4,5; 43,7) |
p = 0,067 |
aDie Endpunkte werden in der Reihenfolge dargestellt, in der die Tests mit vorgegebener Reihenfolge zur Kontrolle von Typ‑1‑Fehlern bei 5 % durchgeführt wurden.
bDie Placebogruppe umfasst diejenigen Patienten, die in Woche 0 und Woche 2 intravenöses Vedolizumab erhielten und zwischen Woche 6 und Woche 52 zu Placebo randomisiert wurden.
cDie Schätzung des Behandlungsunterschieds und des p‑Wertes für alle Endpunkte basiert auf der Cochran‑Mantel‑Haenszel‑Methode.
dKlinische Remission: Mayo‑Gesamt‑Score von ≤ 2 Punkten und kein individueller Subscore > 1 Punkt in Woche 52
eAbheilung der Schleimhaut: endoskopischer Mayo‑Subscore ≤ 1 Punkt
fAnhaltendes klinisches Ansprechen: klinisches Ansprechen in den Wochen 6 und 52
gAnhaltende klinische Remission: klinische Remission in den Wochen 6 und 52
hCorticosteroid-freie Remission: Patienten, die bei Baseline orale Corticosteroide eingenommen und die Corticosteroide abgesetzt hatten und sich in Woche 52 in klinischer Remission befanden. Die Anzahl der Patienten, die bei Baseline orale Corticosteroide eingenommen hatten, betrug n = 24 unter Placebo, n = 45 unter subkutanem Vedolizumab und n = 21 unter intravenösem Vedolizumab
n. s. = nicht signifikant (2‑seitiger p‑Wert > 0,05)
Die primären und sekundären Endpunkte wurden in Subgruppen von Patienten analysiert, bei denen eine frühere TNFα‑Antagonisten‑Therapie versagt hatte (37 %; n = 80), und Patienten, die zuvor nicht mit TNFα‑Antagonisten behandelt worden waren (63 %; n = 136). Die Ergebnisse der in diesen Subgruppen mit Placebo bzw. subkutanem Vedolizumab behandelten Patienten sind in Tabelle 5 dargestellt.
Tabelle 5. Ergebnisse der Studie VISIBLE 1 für Woche 52 analysiert nach Ansprechen auf eine frühere TNFα‑Antagonisten‑Therapie
Behandlung einmal alle 2 Wochen |
||
Placebo |
Vedolizumab s.c. 108 mg |
|
Versagen früherer TNFα‑Antagonisten‑Therapie |
n = 19 |
n = 39 |
Klinische Remission |
5,3 % |
33,3 % |
Abheilung der Schleimhaut |
5,3 % |
46,2 % |
Anhaltendes klinisches Ansprechen |
15,8 % |
66,7 % |
Anhaltende klinische Remission |
0 % |
2,6 % |
Corticosteroid-freie klinische Remissiona |
8,3 % |
27,3 % |
Keine vorherige Behandlung mit TNFα‑Antagonisten |
n = 37 |
n = 67 |
Klinische Remission |
18,9 % |
53,7 % |
Abheilung der Schleimhaut |
29,7 % |
62,7 % |
Anhaltendes klinisches Ansprechen |
35,1 % |
62,7 % |
Anhaltende klinische Remission |
8,1 % |
22,4 % |
Corticosteroid-freie klinische Remissionb |
8,3 % |
30,4 % |
aDie Anzahl der Patienten, bei denen eine frühere TNFα‑Antagonisten‑Therapie versagt hatte und die bei Baseline orale Corticosteroide einnahmen, betrug n = 12 für Placebo, n = 22 für subkutanes Vedolizumab
bDie Anzahl der Patienten, die keine frühere Behandlung mit TNFα‑Antagonisten erhalten hatten und die bei Baseline orale Corticosteroide einnahmen, betrug n = 12 für Placebo und n = 23 für subkutanes Vedolizumab.
Die Gesundheitsbezogene Lebensqualität (HRQOL) wurde mit dem Inflammatory Bowel Disease Questionnaire (IBDQ), einem krankheitsspezifischen Instrument, und dem allgemeinen Fragebogen zur Lebensqualität EuroQol‑5‑Dimension (EQ‑5D, einschließlich EQ‑5D‑VAS) bewertet. Die Arbeitsproduktivität wurde mit dem Fragebogen zur Arbeitsproduktivität und Beeinträchtigung der Aktivität (Work Productivity and Activity Impairment Questionnaire, WPAI‑UC) bewertet. Die Verbesserungen der Werte bezogen auf IBDQ, EQ‑5D und WPAI‑UC wurden bei den Patienten, die mit subkutanem Vedolizumab behandelt wurden, in Woche 52 in stärkerem Maße aufrechterhalten als bei den Patienten unter Placebo.
Studienerweiterung
Patienten, die die Studie VISIBLE 1 abgeschlossen hatten, konnten an einer offenen Erweiterungsstudie zur Beurteilung der langfristigen Sicherheit und Wirksamkeit der Behandlung mit subkutanem Vedolizumab bei Patienten mit Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn teilnehmen.
Die klinische Remission in der offenen Erweiterungsstudie wurde als ein partieller Mayo-Score von ≤ 2 und kein einzelner Subscore > 1 Punkt definiert.
In dieser offenen Erweiterungsstudie wurde bei Patienten mit Colitis ulcerosa eine klinische Remission von bis zu 264 Wochen beobachtet.
Von den Patienten, die die Studie VISIBLE 1 abgeschlossen hatten und subkutanes Vedolizumab zur Erhaltungstherapie erhielten, betrug die klinische Remissionsrate nach 100 Wochen Behandlung 75,4 % (52/69).
Von den Patienten, die die Studie VISIBLE 1 abgeschlossen hatten und intravenöses Vedolizumab zur Erhaltungstherapie erhielten, betrug die klinische Remissionsrate nach 100 Wochen Behandlung (52 Wochen intravenöse Behandlung und 48 Wochen subkutane Behandlung) 68,6 % (24/35).
Patienten der Studie VISIBLE 1, die in Woche 6 kein klinisches Ansprechen erreichten, erhielten eine dritte Dosis Vedolizumab 300 mg durch intravenöse Infusion in Woche 6. Von den Patienten, die in Woche 6 eine dritte Dosis Vedolizumab 300 mg durch intravenöse Infusion erhielten, erreichten 79,7 % (114/143) in Woche 14 ein klinisches Ansprechen. Patienten, die in Woche 14 ein klinisches Ansprechen erreichten, konnten an der offenen Erweiterungsstudie teilnehmen und erhielten alle 2 Wochen subkutan Vedolizumab 108 mg. Bei diesen Patienten lag die klinische Remissionsrate nach 62 Wochen Behandlung (14 Wochen intravenöse Behandlung und 48 Wochen subkutane Behandlung) bei 35,5 % (38/107).
Patienten in der Studie VISIBLE 1, die aufgrund eines Therapieversagens vorzeitig aus der Studie ausschieden, konnten ebenfalls an der offenen Erweiterungsstudie teilnehmen und erhielten wöchentlich 108 mg Vedolizumab subkutan. Nach 48 Wochen subkutaner Behandlung in der offenen Erweiterungsstudie betrug die klinische Remissionsrate 16,0 % (4/25).
Morbus Crohn – Vedolizumab zur intravenösen Verabreichung
Die Wirksamkeit und Sicherheit von intravenösem Vedolizumab für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit mittelschwerem bis schwerem aktivem Morbus Crohn (Crohn Disease Activity Index [CDAI] Punktzahl von 220 bis 450) wurde in 2 Studien (GEMINI 2 und 3) untersucht. Bei den an der Studie teilnehmenden Patienten hatte mindestens eine konventionelle Therapie, einschließlich Corticosteroiden, Immunmodulatoren und/oder TNFα‑Antagonisten (einschließlich primärer Non‑Responder) versagt. Als Begleitmedikation waren stabile orale Dosen von Corticosteroiden, Immunmodulatoren und Antibiotika erlaubt.
Die Studie GEMINI 2 war eine randomisierte, doppelblinde, Placebo‑kontrollierte Studie, deren Wirksamkeits‑Endpunkte in Woche 6 und Woche 52 untersucht wurden. Die Patienten (n = 368) wurden randomisiert (3:2) und erhielten doppelblind 2 Dosen Vedolizumab 300 mg oder Placebo in Woche 0 und Woche 2. Die 2 primären Endpunkte waren der Anteil der Patienten in klinischer Remission (definiert als CDAI‑Score ≤ 150 Punkte) in Woche 6 und der Anteil der Patienten mit verbessertem klinischen Ansprechen (definiert als Abnahme des CDAI‑Scores um ≥ 100 Punkte vom Ausgangswert) in Woche 6 (siehe Tabelle 6).
Die Studie GEMINI 2 umfasste 2 Kohorten von Patienten, die in Woche 0 und 2 Vedolizumab erhielten: Die Patienten in Kohorte 1 wurden randomisiert und erhielten doppelblind entweder Vedolizumab 300 mg oder Placebo, die Patienten in Kohorte 2 erhielten eine Open‑Label‑Behandlung mit Vedolizumab 300 mg. Um die Wirksamkeit in Woche 52 zu bewerten, wurden 461 Patienten aus Kohorte 1 und 2, die mit Vedolizumab behandelt wurden und in Woche 6 ein klinisches Ansprechen (definiert als Abnahme des CDAI‑Scores um ≥ 70 Punkte vom Ausgangswert) erreicht hatten, randomisiert (1:1:1) und erhielten doppelblind ab Woche 6 eine der folgenden Behandlungen: Vedolizumab 300 mg alle 8 Wochen, Vedolizumab 300 mg alle 4 Wochen oder Placebo alle 4 Wochen. Bei Patienten, bei denen in Woche 6 ein klinisches Ansprechen nachweisbar war, wurde ein Corticosteroid‑Ausschleichschema begonnen. Der primäre Endpunkt war der Anteil der Patienten in klinischer Remission in Woche 52 (siehe Tabelle 7).
Die Studie GEMINI 3 war eine zweite randomisierte, doppelblinde, Placebo‑kontrollierte Studie, die die Wirksamkeit in Woche 6 und Woche 10 in der Subgruppe von Patienten untersuchte, bei denen mindestens eine konventionelle Therapie und eine Therapie mit TNFα‑Antagonisten versagt hatte (einschließlich primärer Non‑Responder) sowie in der Gesamtpopulation, die auch Patienten umfasste, bei denen mindestens eine konventionelle Therapie versagt hatte und die keine Behandlung mit TNFα‑Antagonisten erhalten hatten. Die Patienten (n = 416), bei denen es sich zu ca. 75 % um Patienten handelte, bei denen eine Behandlung mit TNFα‑Antagonisten fehlgeschlagen war, wurden randomisiert (1:1) und erhielten in den Wochen 0, 2 und 6 doppelblind entweder Vedolizumab 300 mg oder Placebo. Der primäre Endpunkt war der Anteil der Patienten in klinischer Remission in Woche 6 in der Subgruppe, bei denen die Behandlung mit TNFα‑Antagonisten versagt hatte. Wie in Tabelle 6 angegeben, zeigen explorative Analysen, dass, obwohl der primäre Endpunkt nicht erreicht wurde, klinisch bedeutsame Ergebnisse beobachtet wurden.
Tabelle 6. Wirksamkeitsergebnisse der Studien GEMINI 2 und 3 für Woche 6 und Woche 10
Studie |
Placebo |
Vedolizumab i.v. |
|
GEMINI‑2‑Studie |
|||
Klinische Remission, Woche 6 |
|||
Gesamt |
7 % (n = 148) |
15 %* (n = 220) |
|
Versagen von TNFα‑Antagonist(en) |
4 % (n = 70) |
11 % (n = 105) |
|
TNFα‑Antagonist(en) naïv |
9 % (n = 76) |
17 % (n = 109) |
|
Verbessertes klinisches Ansprechen, Woche 6 |
|||
Gesamt |
26 % (n = 148) |
31 %† (n = 220) |
|
Versagen von TNFα‑Antagonist(en) |
23 % (n = 70) |
24 % (n = 105) |
|
TNFα‑Antagonist(en) naïv |
30 % (n = 76) |
42 % (n = 109) |
|
Veränderung der Serum‑CRP vom Ausgangswert bis Woche 6, Median (µg/mL) |
|||
Gesamt‡ |
‑0,5 (n = 147) |
‑0,9 (n = 220) |
|
GEMINI‑3‑Studie |
|||
Klinische Remission, Woche 6 |
|||
Gesamt‡ |
12 % (n = 207) |
19 % (n = 209) |
|
Versagen von TNFα‑Antagonist(en)¶ |
12 % (n = 157) |
15 %§ (n = 158) |
|
TNFα‑Antagonist(en) naïv |
12 % (n = 50) |
31 % (n = 51) |
|
Klinische Remission, Woche 10 |
|||
Gesamt |
13 % (n = 207) |
29 % (n = 209) |
|
Versagen von TNFα‑Antagonist(en)¶,‡ |
12 % (n = 157) |
27 % (n = 158) |
|
TNFα‑Antagonist(en) naïv |
16 % (n = 50) |
35 % (n = 51) |
|
Anhaltende klinische Remission#¶ |
|||
Gesamt |
8 % (n = 207) |
15 % (n = 209) |
|
Versagen von TNFα‑Antagonist(en)¶,‡ |
8 % (n = 157) |
12 % (n = 158) |
|
TNFα‑Antagonist(en) naïv |
8 % (n = 50) |
26 % (n = 51) |
|
Verbessertes klinisches Ansprechen, Woche 6 |
|||
Gesamt^ |
23 % (n = 207) |
39 % (n = 209) |
|
Versagen von TNFα‑Antagonist(en)‡ |
22 % (n = 157) |
39 % (n = 158) |
|
TNFα‑Antagonist(en) naïv^ |
24 % (n = 50) |
39 % (n = 51) |
|
*p < 0,05 |
|||
Tabelle 7. Wirksamkeitsergebnisse der Studie GEMINI 2 für Woche 52 | |||
Placebo |
Vedolizumab, i.v. |
Vedolizumab i.v. |
|
Klinische Remission |
22 % |
39 %† |
36 %‡ |
Verbessertes klinisches Ansprechen |
30 % |
44 %‡ |
45 %‡ |
Corticosteroid‑freie klinische Remission§ |
16 % |
32 %‡ |
29 %‡ |
Anhaltende klinische Remission¶ |
14 % |
21 % |
16 % |
*Die Placebo‑Gruppe umfasst jene Teilnehmer, die in Woche 0 und Woche 2 Vedolizumab erhielten und von Woche 6 bis Woche 52 in die Gruppe randomisiert wurden, die Placebo erhielt. | |||
Bei den explorativen Analysen wurden die Auswirkungen einer gleichzeitigen Verabreichung von Corticosteroiden und Immunmodulatoren zusammen mit Vedolizumab auf die Induktion der Remission untersucht. Bei Morbus Crohn schien die Kombinationsbehandlung, insbesondere die gleichzeitige Verabreichung von Corticosteroiden, die Remission wirksamer zu induzieren als Vedolizumab allein oder in Kombination mit Immunmodulatoren, was in einem kleineren Unterschied zu Placebo in der Remissionsrate resultierte. Die klinische Remissionsrate in Woche 6 betrug in GEMINI 2 10 % (Unterschied zu Placebo 2 %, 95-%-KI: ‑6, 10) bei Verabreichung ohne Corticosteroide, im Vergleich zu 20 % (Unterschied zu Placebo 14 %, 95-%-KI: ‑1, 29) bei gleichzeitiger Verabreichung mit Corticosteroiden. In GEMINI 3 betrugen die klinischen Remissionsraten 18 % in Woche 6 (Unterschied zu Placebo 3 %, 95-%-KI: ‑7, 13) bzw. 22 % in Woche 10 (Unterschied zu Placebo 8 %, 95-%-KI: ‑3, 19) bei Verabreichung ohne Corticosteroide, im Vergleich zu 20 % (Unterschied zu Placebo 11 %, 95-%-KI: 2, 20) bzw. 35 % (Unterschied zu Placebo 23 %, 95-%-KI: 12, 33) bei gleichzeitiger Verabreichung mit Corticosteroiden. Diese Wirkungen wurden unabhängig davon beobachtet, ob gleichzeitig Immunmodulatoren verabreicht wurden oder nicht.
Exploratorische Analysen liefern zusätzliche Daten über wichtige untersuchte Teilpopulationen. In GEMINI 2 hatte etwa die Hälfte der Patienten zuvor eine Behandlung mit TNFα‑Antagonisten erhalten, die fehlgeschlagen war. Von diesen Patienten erzielten 28 %, die Vedolizumab alle 8 Wochen erhielten, 27 %, die Vedolizumab alle 4 Wochen erhielten, und 13 %, die Placebo erhielten, in Woche 52 eine klinische Remission. Ein verbessertes klinisches Ansprechen wurde bei 29 %, 38 % bzw. 21 % erreicht und eine Corticosteroid‑freie klinische Remission wurde bei 24 %, 16 % bzw. 0 %, erreicht.
Patienten, bei denen in der Studie GEMINI 2 in Woche 6 kein Ansprechen nachweisbar war, blieben in der Studie und erhielten Vedolizumab alle 4 Wochen. In Woche 10 und Woche 14 wurde ein verbessertes klinisches Ansprechen bei einem höheren Anteil der Patienten, die Vedolizumab erhielten (16 % und 22 %), beobachtet, im Vergleich zu den Patienten, die Placebo erhielten (7 % und 12 %). An diesen Zeitpunkten fanden sich keine klinisch relevanten Unterschiede bezüglich der klinischen Remission zwischen den Behandlungsgruppen. Analysen der klinischen Remission in Woche 52 bei Patienten, die in Woche 6 Non‑Responder waren, aber in Woche 10 oder Woche 14 ein Ansprechen zeigten, lassen darauf schließen, dass Non‑Responder‑Patienten mit Morbus Crohn möglicherweise von einer Dosis Vedolizumab in Woche 10 profitieren.
Exploratorische Analysen in der GEMINI-2‑Studie zeigten klinisch relevante Verbesserungen für die alle 4 Wochen und für die alle 8 Wochen mit Vedolizumab behandelten Patienten und die Verbesserungen vom Ausgangswert bis Woche 52 waren im Vergleich mit der Placebo‑Gruppe signifikant besser bei den EQ‑5D und EQ‑5D‑VAS‑Werten, dem IBDQ‑Gesamt‑Score und den IBDQ‑Subskalen für Darmsymptome und Körperfunktion.
Studienerweiterung
Patienten, die in der Studie GEMINI 2 alle 8 Wochen behandelt wurden und die nicht mehr auf Vedolizumab ansprachen, konnten in eine offene Erweiterungsstudie wechseln und erhielten alle 4 Wochen Vedolizumab. Bei diesen Patienten wurde eine klinische Remission bei 23 % der Patienten in Woche 28 und bei 32 % der Patienten in Woche 52 erreicht.
Patienten, die nach der Behandlung mit Vedolizumab ein klinisches Ansprechen in Woche 0 und 2 erreichten und dann in die Placebo‑Gruppe randomisiert (Woche 6 bis Woche 52) wurden und die nicht mehr auf Vedolizumab ansprachen, konnten in eine offene Erweiterungsstudie wechseln und erhielten alle 4 Wochen Vedolizumab. Bei diesen Patienten wurde eine klinische Remission in 46 % der Patienten bis Woche 28 und 41 % der Patienten bis Woche 52 erreicht.
In dieser offenen Erweiterungsstudie wurden klinische Remission und klinisches Ansprechen bei Patienten für bis zu 196 Wochen beobachtet.
Morbus Crohn – Vedolizumab zur subkutanen Verabreichung
Die Wirksamkeit und Sicherheit von subkutanem Vedolizumab bei der Behandlung von erwachsenen Patienten mit mittelschwerem bis schwerem aktivem Morbus Crohn (CDAI‑Score von 220 bis 450) wurde in einer randomisierten doppelblinden Placebo‑kontrollierten Studie nachgewiesen, in der die Wirksamkeits‑Endpunkte in Woche 52 untersucht wurden (VISIBLE 2). Die an der Studie VISIBLE 2 teilnehmenden Patienten (n = 644) wiesen in Bezug auf eine konventionelle Therapie, einschließlich Corticosteroiden, Immunmodulatoren und/oder TNFα‑Antagonisten, ein unzureichendes Ansprechen, den Verlust des Ansprechens oder eine Unverträglichkeit auf (einschließlich primärer Non‑ Responder). Stabile orale Dosen von Aminosalicylaten, Corticosteroiden und/oder Immunmodulatoren waren als Begleitmedikation erlaubt.
Patienten, die in Woche 6 ein klinisches Ansprechen auf die Open‑Label‑Behandlung mit intravenösem Vedolizumab erreichten, konnten randomisiert werden. Für die Auswertung der Woche‑52‑Endpunkte wurden 409 (64 %) Patienten randomisiert und doppelblind (2:1) der Behandlung mit subkutanem Vedolizumab 108 mg (n = 275) oder subkutanem Placebo (n = 134) alle 2 Wochen zugewiesen.
Die demographischen Ausgangsdaten waren bei den Patienten in den Vedolizumabgruppen und der Placebogruppe ähnlich. Der CDAI‑Score bei Baseline betrug bei etwa 41 % der gesamten Studienpopulation > 330 (schwerer Morbus Crohn) und bei etwa 59 % ≤ 330 (mittelschwerer Morbus Crohn).
Ab Woche 6 mussten alle Patienten, die ein klinisches Ansprechen erreicht hatten (definiert als eine Abnahme um ≥ 70 Punkte des CDAI‑Scores gegenüber dem Ausgangswert) und Corticosteroide erhielten, ein Corticosteroid‑Ausschleichschema beginnen. Der primäre Endpunkt war der Anteil der Patienten in klinischer Remission (CDAI‑Score ≤ 150) in Woche 52. Die sekundären Endpunkte waren der Anteil der Patienten mit verbessertem klinischem Ansprechen (Abnahme von ≥ 100 Punkten des CDAI‑Scores gegenüber dem Ausgangswert) in Woche 52, der Anteil der Patienten mit Corticosteroid-freier Remission (Patienten, die bei Baseline orale Corticosteroide einnahmen, die Corticosteroide abgesetzt hatten und sich in klinischer Remission befanden) in Woche 52 und der Anteil der zuvor nicht mit TNFα‑Antagonisten behandelten Patienten, die in Woche 52 eine klinische Remission erreichten (CDAI‑Score ≤ 150). Tabelle 8 zeigt die ausgewerteten Ergebnisse der primären und sekundären Endpunkte.
Tabelle 8. Wirksamkeitsergebnisse der Studie VISIBLE 2 für Woche 52 | ||||
Endpunkt* |
Placebo† |
Vedolizumab s.c. 108 mg |
Schätzung‡ des Behandlungsunterschieds |
p‑Wert‡ |
Klinische Remission§ |
34,3 % |
48,0 % |
13,7 (3,8; 23,7) |
p = 0,008 |
Verbessertes klinisches Ansprechen# |
44,8 % |
52,0 % |
7,3 (‑3,0; 17,5) |
p = 0,167 |
Corticosteroid-freie Remission** |
18,2 % |
45,3 % |
27,1 (11,9; 42,3) |
p = 0,002‡‡ |
Klinische Remission bei Patienten, die zuvor nicht mit TNFα‑Antagonisten behandelt wurden†† |
42,9 % |
48,6 % |
4,3 (‑11,6; 20,3) |
p = 0,591‡‡ |
*Die Endpunkte werden in der Reihenfolge dargestellt, in der die Tests mit vorgegebener Reihenfolge zur Kontrolle von Typ‑1‑Fehlern bei 5 % durchgeführt wurden. | ||||
Die primären und sekundären Endpunkte wurden in Subgruppen von Patienten analysiert, die keine frühere TNFα‑Antagonisten‑Therapie erhalten hatten (42 %; n = 170), bei denen eine frühere TNFα‑Antagonisten‑Therapie versagt hatte (51 %; n = 210) und Patienten, bei denen eine frühere TNFα‑Antagonisten‑Therapie durchgeführt worden war, die jedoch nicht versagt hatte (7 %; n = 29). Die Ergebnisse der in diesen Subgruppen mit Placebo und subkutanem Vedolizumab behandelten Patienten sind in den Tabellen 9 und 10 dargestellt.
Tabelle 9. Wirksamkeitsergebnisse für Woche 52 der Studie VISIBLE 2 für Patienten, die nicht mit TNFα‑Antagonisten behandelt wurden | |||
Endpunkt |
Placebo |
Vedolizumab s.c. 108 mg |
Behandlungsunterschied |
Klinische Remission |
42,9 % |
48,6 % |
4,3 (‑11,6; 20,3) |
Verbessertes klinisches Ansprechen |
47,6 % |
54,2 % |
4,4 (‑11,6; 20,3) |
Corticosteroid-freie Remission** |
18,2 % |
41,0 % |
22,8 (‑3,2; 46,8) |
**Die Anzahl der Patienten, die keine frühere TNFα‑Antagonisten‑Therapie erhalten hatten und die bei Baseline orale Corticosteroide einnahmen, betrug n = 22 für Placebo und n = 39 für subkutanes Vedolizumab. | |||
Tabelle 10. Wirksamkeitsergebnisse für Woche 52 der Studie VISIBLE 2 für Patienten, bei denen die Behandlung mit TNFα‑Antagonisten versagt hatte | |||
Endpunkt |
Placebo |
Vedolizumab s.c. 108 mg |
Behandlungsunterschied |
Klinische Remission |
28,8 % |
46,4 % |
17,6 (3,8; 31,4) |
Verbessertes klinisches Ansprechen |
45,8 % |
49,0 % |
3,2 (‑11,8; 18,2) |
Corticosteroid-freie Remission** |
15,0 % |
46,2 % |
31,2 (5,2; 54,5) |
**Die Anzahl der Patienten, bei denen eine frühere TNFα‑Antagonisten‑Therapie versagt hatte und die bei Baseline orale Corticosteroide einnahmen, betrug n = 20 für Placebo und n = 52 für subkutanes Vedolizumab. | |||
Die gesundheitsbezogene Lebensqualität wurde mithilfe des krankheitsspezifischen Fragebogens IBDQ (Inflammatory Bowel Disease Questionnaire) und dem Messinstrument zur allgemeinen Erhebung des Gesundheitszustandes EQ‑5D (einschließlich EQ‑5D-VAS) bewertet. Die Arbeitsproduktivität wurde mit dem WPAI-CD-Index erfasst. In Woche 52 zeigten Patienten, die subkutanes Vedolizumab erhielten, anhaltendere Verbesserungen bei den IBDQ-, EQ-5D- und WPAI-CD-Werten als jene, die ein Placebo erhielten.
Studienerweiterung
Patienten, die die Studie VISIBLE 2 abgeschlossen hatten, konnten an einer offenen Erweiterungsstudie zur Beurteilung der langfristigen Sicherheit und Wirksamkeit der Behandlung mit subkutanem Vedolizumab bei Patienten mit Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn teilnehmen.
Die klinische Remission in der offenen Erweiterungsstudie wurde als Harvey-Bradshaw-Index (HBI) mit < 4 Punkten definiert.
In dieser offenen Erweiterungsstudie wurde bei Morbus-Crohn-Patienten eine klinische Remission von bis zu 264 Wochen beobachtet.
Von den Patienten, die die Studie VISIBLE 2 abgeschlossen hatten und subkutanes Vedolizumab zur Erhaltungstherapie erhielten, betrug die klinische Remissionsrate nach 100 Wochen Behandlung (intravenöse Induktion gefolgt von subkutaner Erhaltungstherapie) in der offenen Erweiterungsstudie 58,2 % (92/158).
Patienten in der VISIBLE-2-Studie, die in Woche 6 kein klinisches Ansprechen erreichten, sollten in Woche 6 eine dritte Dosis mit 300 mg Vedolizumab als intravenöse Infusion erhalten. Von den Patienten, die in Woche 6 eine dritte Dosis mit 300 mg Vedolizumab als intravenöse Infusion erhielten, erreichten 65,1 % (125/192) in Woche 14 ein klinisches Ansprechen. Patienten, die in Woche 14 ein klinisches Ansprechen erzielten, konnten an der offenen Erweiterungsstudie teilnehmen und erhielten alle zwei Wochen 108 mg Vedolizumab subkutan. Bei diesen Patienten betrug die klinische Remissionsrate nach 62 Wochen Behandlung in der offenen Erweiterungsstudie (14 Wochen intravenöse Behandlung und 48 Wochen subkutane Behandlung) 49,2 % (58/118).
Patienten in der Studie VISIBLE 2, die aufgrund eines Therapieversagens vorzeitig aus der Studie ausschieden, konnten ebenfalls an der offenen Erweiterungsstudie teilnehmen und erhielten wöchentlich 108 mg Vedolizumab subkutan. Nach 48 Wochen subkutaner Behandlung in der offenen Erweiterungsstudie betrug die klinische Remissionsrate 17,6 % (12/68).
Kinder und Jugendliche
Die Europäische Arzneimittel‑Agentur hat für Vedolizumab eine Zurückstellung von der Verpflichtung zur Vorlage von Ergebnissen zu Studien in einer oder mehreren pädiatrischen Altersklassen mit Colitis ulcerosa und Morbus Crohn gewährt (siehe Abschnitt 4.2 bezüglich Informationen zur Anwendung bei Kindern und Jugendlichen).
Die Einzel‑ und Mehrfachdosis‑Pharmakokinetik von Vedolizumab wurde bei gesunden Probanden und bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer aktiver Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn untersucht.
Resorption
Bei den Patienten, denen in den Wochen 0 und 2 eine Dosis von 300 mg intravenösem Vedolizumab als 30‑minütige intravenöse Infusion verabreicht wurde, betrug der mittlere Serum‑Talspiegel in Woche 6 27,9 µg/ml (SD ± 15,51) bei den Patienten mit Colitis ulcerosa und 26,8 µg/ml (SD ± 17,45) bei den Patienten mit Morbus Crohn. In Studien mit intravenösem Vedolizumab erhielten die Patienten ab Woche 6 alle 8 oder 4 Wochen 300 mg intravenöses Vedolizumab. Bei Patienten mit Colitis ulcerosa betrugen die Serum‑Talspiegel im Steady‑State 11,2 µg/ml (SD ± 7,24) bzw. 38,3 µg/ml (SD ± 24,43). Bei Patienten mit Morbus Crohn betrugen die Serum‑Talspiegel im Steady‑State 13,0 µg/ml (SD ± 9,08) bzw. 34,8 µg/ml (SD ± 22,55).
In Studien an Patienten mit Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn, denen ab Woche 6 subkutanes Vedolizumab verabreicht wurde, erhielten die Patienten alle 2 Wochen 108 mg subkutanes Vedolizumab. Die mittleren Serum‑Talspiegel im Steady‑State betrugen 35,8 µg/ml (SD ± 15,2) bei Patienten mit Colitis ulcerosa und 31,4 µg/ml (SD ± 14,7) bei Patienten mit Morbus Crohn. Die Bioverfügbarkeit von Vedolizumab nach subkutaner Einzeldosis‑Verabreichung von 108 mg lag im Vergleich zur intravenösen Einzeldosis‑Verabreichung bei etwa 75 %. Die mediane Zeit bis zum Erreichen der maximalen Serumkonzentration (tmax) betrug 7 Tage (Bereich 3 bis 14 Tage), und die mittlere maximale Serumkonzentration (Cmax) betrug 15,4 µg/ml (SD ± 3,2).
Verteilung
Eine populationspharmakokinetische Analyse zeigt, dass das Verteilungsvolumen von Vedolizumab ca. 5 Liter beträgt. Die Plasmaproteinbindung von Vedolizumab wurde nicht untersucht. Vedolizumab ist ein therapeutischer monoklonaler Antikörper und es wird nicht erwartet, dass er an Plasmaproteine bindet.
Vedolizumab passiert nach intravenöser Verabreichung nicht die Blut‑Hirn‑Schranke. Vedolizumab 450 mg, intravenös verabreicht, war im Liquor cerebrospinalis von gesunden Probanden nicht nachweisbar.
Elimination
Populationspharmakokinetische Analysen auf der Grundlage intravenöser und subkutaner Daten zeigen, dass die Clearance von Vedolizumab ca. 0,162 l/Tag (über den linearen Eliminationsweg) beträgt und es eine Serum‑Halbwertszeit von 26 Tagen besitzt. Die genaue Eliminationsroute von Vedolizumab ist nicht bekannt. Populationspharmakokinetische Analysen legen nahe, dass niedrige Albuminwerte, ein höheres Körpergewicht sowie eine vorausgegangene Behandlung mit Anti‑TNF‑Arzneimitteln zwar die Vedolizumab‑Clearance erhöhen können, das Ausmaß dieser Wirkungen aber nicht als klinisch relevant angesehen wird.
Linearität
Vedolizumab zeigte bei Serum‑Konzentrationen von mehr als 1 µg/ml eine lineare Pharmakokinetik.
Besondere Bevölkerungsgruppen
Populationspharmakokinetische Analysen zeigten bei Patienten mit Colitis ulcerosa und Morbus Crohn keinen Einfluss des Alters auf die Clearance von Vedolizumab. Formelle Studien zur Untersuchung der Auswirkungen von Nieren‑ oder Leberfunktionsstörungen auf die Pharmakokinetik von Vedolizumab wurden nicht durchgeführt.
Basierend auf den konventionellen Studien zur Sicherheitspharmakologie, Toxizität bei wiederholter Gabe, Genotoxizität, kanzerogenes Potential, Toxizität gegenüber Reproduktion und Entwicklung lassen die präklinischen Daten keine besonderen Gefahren für den Menschen erkennen.
Langzeit‑Tierstudien mit Vedolizumab zur Bewertung des kanzerogenen Potenzials wurden nicht durchgeführt, da es keine aussagekräftigen pharmakologischen Modelle für monoklonale Antikörper gibt. In einer pharmakologisch relevanten Art (Cynomolgus‑Affen) fanden sich in 13‑ und 26‑wöchigen Toxikologie‑Studien keine Anzeichen für Zellhyperplasien oder eine systemische Immunmodulation, die möglicherweise mit der Onkogenese in Verbindung gebracht werden könnte. Darüber hinaus fanden sich in vitro keine Wirkungen von Vedolizumab auf die Proliferationsrate oder Zytotoxizität einer menschlichen Tumorzelllinie, die α4β7‑Integrin exprimiert.
Spezifische Fertilitätsstudien bei Tieren wurden mit Vedolizumab nicht durchgeführt. Bei Cynomolgus‑Affen ließen sich in einer Toxizitätsstudie bei wiederholter Gabe keine definitiven Schlussfolgerungen über die männlichen Fortpflanzungsorgane ziehen. Angesichts der Tatsachen, dass Vedolizumab bei Affen und Menschen nicht an männliches reproduktives Gewebe bindet und dass eine intakte männliche Fruchtbarkeit bei β7 Integrin‑Knockout‑Mäusen beobachtet wurde, ist jedoch nicht zu erwarten, dass Vedolizumab die männliche Fruchtbarkeit beeinträchtigt.
Die Verabreichung von Vedolizumab an trächtige Cynomolgus‑Affen während der meisten Zeit der Trächtigkeit ergab keine Hinweise auf eine teratogene Wirkung oder eine Wirkung auf die prä‑ oder postnatale Entwicklung der Nachkommen bis zum Alter von 6 Monaten. Niedrige Konzentrationen (< 300 µg/l) Vedolizumab wurden 28 Tage postpartum in der Milch von 3 von 11 Cynomolgus‑Affen nachgewiesen, die alle 2 Wochen 100 mg/kg Vedolizumab erhielten. Bei Tieren, die 10 mg/kg erhielten, wurde Vedolizumab in der Milch nicht nachgewiesen.
Citronensäure‑Monohydrat (E 330)
Natriumcitrat‑Dihydrat (E 331)
L‑Histidin
L‑Histidin‑Monohydrochlorid
L‑Arginin‑Hydrochlorid
Polysorbat 80 (E 433)
Wasser für Injektionszwecke
Da keine Kompatibilitätsstudien durchgeführt wurden, darf dieses Arzneimittel nicht mit anderen Arzneimitteln gemischt werden.
2 Jahre
Im Kühlschrank lagern (2 °C – 8 °C). Die Fertigspritzen oder Fertigpens im Umkarton aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.
Nicht einfrieren.
Bei Bedarf kann eine einzelne Fertigspritze bzw. ein einzelner Fertigpen bis zu 7 Tage lichtgeschützt außerhalb des Kühlschranks bei Raumtemperatur (bis zu 25 °C) aufbewahrt werden. Verwenden Sie die Fertigspritze oder den Fertigpen nicht, wenn diese länger als 7 Tage außerhalb des Kühlschranks aufbewahrt wurden.
Entyvio 108 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze
Injektionslösung in einer Spritze aus Typ‑I‑Glas mit einem Volumen von 1 ml und einer festen, dünnwandigen, 1,27 cm langen 27G‑Nadel. Die Spritze hat eine von einer Kunststoffhülle eingefasste Nadelschutzkappe aus Gummi und einen Gummistopfen.
Die Fertigspritze mit Vedolizumab zur subkutanen Verabreichung ist ein Einzeldosis‑Dosierungssystem zur Verabreichung von Arzneimitteln mit manueller Injektion. Jede Fertigspritze ist mit einer Sicherheitsvorrichtung ausgestattet, die nach Abschluss der Injektion eine Schutzvorrichtung über der Nadel ausfährt und verriegelt.
Packungen mit 1 oder 2 Fertigspritzen sowie Bündelpackungen mit 6 Fertigspritzen (6 x 1).
Entyvio 108 mg Injektionslösung in einem Fertigpen
Injektionslösung in einem Fertigpen aus Typ‑I‑Glas mit einem Volumen von 1 ml und einer festen, dünnwandigen, 1,27 cm langen 27G‑Nadel. Die Spritze hat eine von einer Kunststoffhülle eingefasste Nadelschutzkappe aus Gummi und einen Gummistopfen.
Der Fertigpen mit Vedolizumab zur subkutanen Verabreichung ist ein Einzeldosis‑Dosierungssystem zur Verabreichung von Arzneimitteln mit mechanischer Injektion. Jeder Fertigpen ist mit einem automatischen Nadelschutz ausgestattet, der nach Entfernung des Pens von der Injektionsstelle über der Nadel ausfährt und verriegelt.
Packungen mit 1, 2 oder 6 Fertigpens.
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.
Hinweise für die Verabreichung
Warten Sie, nachdem Sie die Fertigspritze oder den Fertigpen aus dem Kühlschrank genommen haben, vor der Injektion 30 Minuten, damit die Lösung Raumtemperatur erreichen kann.
Setzen Sie die Fertigspritze oder den Fertigpen nicht direktem Sonnenlicht aus.
Nicht einfrieren. Nicht verwenden, wenn sie/er eingefroren war.
Prüfen Sie die Lösung vor der Verabreichung visuell auf Partikel und Verfärbungen. Die Lösung sollte farblos bis gelb sein. Verwenden Sie keine Fertigspritzen oder Fertigpens mit sichtbaren Partikeln oder Verfärbungen.
Jede Fertigspritze bzw. jeder Fertigpen darf nur einmal verwendet werden.
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen zu beseitigen.
Takeda Pharma A/S
Delta Park 45
2665 Vallensbaek Strand
Dänemark
medinfoEMEA@takeda.com
Entyvio 108 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze
EU/1/14/923/002: 1 Fertigspritze
EU/1/14/923/003: 2 Fertigspritzen
EU/1/14/923/004 Bündelpackung: 6 Fertigspritzen (6 x 1)
Entyvio 108 mg Injektionslösung in einem Fertigpen
EU/1/14/923/005: 1 Fertigpen
EU/1/14/923/006: 2 Fertigpens
EU/1/14/923/007: 6 Fertigpens
Datum der Erteilung der Zulassung 22. Mai 2014
Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 12. Dezember 2018
Januar 2026
Verschreibungspflichtig.
Takeda GmbH
Telefon: +49 (0)800 8253325
E-Mail: medinfoEMEA@takeda.com
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen Arzneimittel‑Agentur https://www.ema.europa.eu/ verfügbar.
Art.-Nr. 1107103855